Am 6. Mai 2026 fand der GEOSummit an der FHNW in Olten statt – das wichtigste Branchentreffen der Schweizer Geoinformation. Drei Themenblöcke wurden vollständig durch SOGI-Fachgruppen gestaltet, ein weiterer mitgestaltet. Damit war die SOGI mit ihren Fachgruppen Technologie, Digitaler Zwilling und International prägend im Programm vertreten – ein sichtbarer Beleg dafür, wie das SOGI-Netzwerk Wissen bündelt und in die Community trägt.

«GIS-Trends – neue technologische Impulse»: das Trendradar als Branchen-Kompass

Der von der Fachgruppe Technologie gestaltete Block, moderiert von Markus Schenardi, stand ganz im Zeichen aktueller Entwicklungen, die die Branche spürbar verändern. Die Fachgruppe nutzte den GEOSummit, um das GIS-Trend Radar [gistrends.ch](https://gistrends.ch) in Version 3.0 zu lancieren – frisch in der Nacht zuvor aufgeschaltet. Neu sind ein Timeslider sowie eine grafische Visualisierung der Veränderungen über die Zeit. Die Plattform deckt unter anderem die Themen generative KI, das Model Context Protocol (MCP) für die Zusammenarbeit von KI mit Geodaten-Services und Cloud-Computing-Muster in der Geoinformation ab.

Vertieft wurden zwei Schwerpunkttechnologien. Gaussian Splatting wurde von PIX4D als grundlegender Wandel in der 3D-Darstellung präsentiert – nicht nur fotorealistisch, sondern in einer Implementierung mit geometrischer Genauigkeit, die für Vermessung und Inspektion einsatzfähig ist. Beeindruckend ist das Tempo, mit dem aus Forschung praxistaugliche Werkzeuge entstehen; ein standardisiertes Format Gaussian Splatters steht allerdings noch aus. Im zweiten Vertiefungsbeitrag zeigte SOGI-Mitglied Quarticle, wie sich GeoServer-Infrastrukturen mit einem eigens entwickelten Kubernetes-Operator automatisiert betreiben lassen. In Kombination mit Helm, ArgoCD und Vault entsteht ein deklaratives Framework für reproduzierbares Web-GIS-Deployment – die mühsame händische Konfiguration übernehmen zunehmend Automatisierung und KI-Agents.

«Mehr Wertschöpfung dank robustem Unternehmens-GIS»: im Schulterschluss mit den Goldpartnern

Dieser Themenblock wurde von der Fachgruppe Technologie gemeinsam mit Camptocamp, Esri, Hexagon und VertiGIS gestaltet. SOGI Co-Präsidentin Zilmil Bordoloi eröffnete den Block mit einem Inputreferat zur Frage, wie Geoinformation als zentrale IT-Komponente strategischen Mehrwert für ein Unternehmen erzeugt. Im Anschluss zeigten die vier mitwirkenden Goldpartner aus ihren jeweiligen Perspektiven, welche Bausteine ein robustes Unternehmens-GIS heute auszeichnen – von Architektur und Datenintegration bis zu Skalierung und Governance. Das Format steht exemplarisch für die Brückenfunktion, die die SOGI zwischen ihrer Fachcommunity und den führenden Anbietern der Branche einnimmt.

«Verantwortungsvoll handeln mit Geodaten und Prozessen»: Souveränität, Open Source und Berufsethik

Mitgestaltet von der Fachgruppe International und Goldpartner opengis.ch, spannte der Themenblock einen Bogen von der digitalen Souveränität über offene Software bis zu den ethischen Grundfragen der KI.

Patrick König stellte den im Mai 2025 gegründeten Verein AV QGIS vor, der mit 61 Mitgliedern und drei kantonalen Geoverbunden rund 700 Vollzeitstellen in der amtlichen Vermessung repräsentiert. Ziel ist ein Open-Source-Plugin für QGIS als Fachschale für die amtliche Vermessung. Aktuell werden zwei Angebote evaluiert; an der Mitgliederversammlung vom 8. Juli wird über die Realisierung entschieden – mit der notwendigen Finanzierung als kritischem Faktor. Guillaume Remy zeigte am Beispiel von GeoGirafe, einem auf W3C Web Components basierenden Webclient als Nachfolger von GeoMapFish, wie Open Source mit den Realitäten des öffentlichen Sektors zusammengebracht werden kann: Transparenz, kein Vendor Lock-in, drei klar verteilte Partner, minimale Abhängigkeiten. Das schafft Kontrolle über das eigene Produkt und Vertrauen bei jenen, die in dessen Entwicklung investieren. Den Abschluss bildete der von SOGI-Co-Präsident Maurice Barbieri eingeführte Vortrag von Bruce McCormack zu moralischen, ethischen und rechtlichen Fragen der KI in Europa. Seine Kernbotschaft: KI, Geoinformation und Berufsethik sind heute untrennbar verflochten – moralisch wie rechtlich. Sein Vorschlag an die Branche: ein aktualisierter Professional Code of Practice, der den Anforderungen des KI-Zeitalters gerecht wird.

«Digitale Zwillinge – mehr als nur 3D-Daten»: vom Modell zum lebendigen System

Der von der Fachgruppe Digitaler Zwilling kuratierte Block, moderiert von Jürg Lüthy, brachte fünf Praxisbeispiele auf die Bühne und zeigte die ganze Bandbreite dessen, was unter dem Begriff Digitaler Zwilling heute Realität ist.

Frank Markus präsentierte den Ansatz der Stadt Schwabach, die ihre fachübergreifenden Daten in einer einzigen Plattform (CDE) integriert hat und damit Effizienz und Transparenz in der Verwaltung steigert. Lynn Bolliger zeigte mit «Strassenlärm 4D» der Stadt Zürich, wie Punkte an den Hauswänden des 3D-Gebäudemodells visualisieren, wo die Grenzwerte der Lärmschutzverordnung eingehalten werden – und wie sich Massnahmen wie Tempo 30 oder Flüsterbeläge szenarisch simulieren lassen. Sabrina Contratto erweiterte den Blick: Digitale Zwillinge sind «mehr als smart», wenn sie ganzheitliches Denken im Städtebau ermöglichen – über Analyse, Kommunikation, Partizipation bis zur Umsetzung. Andrea Keller stellte einen Fachzwilling für die Verkehrsplanung vor, der heute oft manuell und verspätet nachgeführte Modelle durch eine Pipeline aus Datenerfassung, KI-gestützter Simulation und einer integrierten Plattform ersetzt. Den Abschluss bildete Giuseppe Acciardi mit dem Lifecycle Management aller Bauten des Bundes über ein integriertes CDE – von der Vorstudie bis zum Abriss, mit dem Schwerpunkt auf der entscheidenden Phase Betrieb und Unterhalt.

Bemerkenswert war die Bandbreite der Ansätze: von der Echtzeit-Verkehrsanalyse in 2D bis zur Stadtplanung in 3D über einen Zeithorizont von hundert Jahren – alles fällt unter den Begriff «Digitaler Zwilling», und alles bringt unterschiedliche Anforderungen an Daten, Modelle und Governance mit sich.

Begegnungen, Pausengespräche und Ausstellung

Was den GEOSummit ausmacht, lässt sich nicht nur im Vortragssaal messen. Das Programm bot bewusst grosszügigen Raum für persönlichen Austausch – beim Mittagessen, in den Pausen zwischen den Blöcken und beim abschliessenden Farewell-Apéro. Diese Begegnungen sind es, die fachliche Impulse in konkrete Projekte überführen und das Netzwerk lebendig halten.

In der GEOSummit-Ausstellung waren 19 Unternehmen und Institutionen vertreten. Mit Camptocamp, Esri Schweiz, Mensch und Maschine, Octave und OPENGIS.ch waren fünf der sechs GEOSummit-Goldpartner mit einem Stand präsent, mit Quarticle zudem ein SOGI-Mitglied, das im Vortragsprogramm bereits Akzente gesetzt hatte. Die Mischung aus etablierten Anbietern, Hochschulen und spezialisierten KMU spiegelte gut wider, wie breit die Schweizer Geoinformations-Landschaft heute aufgestellt ist.

Vier Themenblöcke, drei beteiligte Fachgruppen und eine eindrückliche Bandbreite an konkreten Projekten – der GEOSummit hat einmal mehr gezeigt, wie zentral die Fachgruppen für die SOGI sind. Sie bündeln Wissen und Engagement der Mitglieder und tragen es sichtbar in die Branche. Wer Lust hat, in einer Fachgruppe mitzuwirken, findet hier eine Übersicht.