Die Geoinformationsausbildung in der Schweiz ist vielfältig und qualitativ hochstehend. Gleichzeitig fehlt es an übergreifenden Strukturen, welche den Austausch zwischen Hochschulen fördern und die Bildungslandschaft als Ganzes sichtbar machen. Eine neue Studie im Rahmen der Strategie Geoinformation Schweiz (SGS) zeigt nun erstmals systematisch auf, wo die grössten Herausforderungen liegen – und welche Massnahmen eine nachhaltige Vernetzung ermöglichen könnten.
Die SOGI Gruppe Bildung war als Gutachterin in das Projekt eingebunden und validierte die Ergebnisse und Empfehlungen im Rahmen eines Workshops.
Hintergrund
Im Auftrag des Bundesamts für Landestopografie (swisstopo) und im Rahmen des Aktionsfeldes 6 «Kompetenzen aufbauen und stärken» der Strategie Geoinformation Schweiz (SGS) hat Dr. Christian Sailer (smartTRIP Sailer) die Vernetzung von Hochschuldozierenden im Bereich Geoinformation untersucht.
Ausgangspunkt der Studie war die bereits bekannte Erkenntnis, dass die Schweizer Bildungslandschaft im Geobereich zwar breit aufgestellt ist, jedoch nur begrenzt vernetzt und koordiniert agiert. Gleichzeitig fehlt eine nationale Übersicht über Akteure, Bildungsangebote und Bildungswege, wodurch Synergien und Kooperationsmöglichkeiten oft ungenutzt bleiben.
Was die Untersuchung zeigt
Die Analyse basiert auf einer Recherche bestehender Vernetzungsangebote, der Untersuchung von MINT- und OER-Initiativen in der Schweiz, einer Online-Befragung von Hochschuldozierenden im GIS-Bereich sowie vertiefenden Interviews einer Auswahl dieser Dozierenden.
Die Ergebnisse zeichnen ein klares Bild:
- Die Vernetzung von GIS-Dozierenden wird als wichtig eingeschätzt und dürfte künftig weiter an Bedeutung gewinnen.
- Bestehende Aktivitäten sind häufig punktuell, projektbezogen oder geografisch isoliert.
- Es fehlen koordinierte und institutionell verankerte Strukturen für einen nachhaltigen Austausch.
- Digitale Plattformen allein reichen nicht aus, um tragfähige Netzwerke aufzubauen.
- Besonders gefragt sind persönliche Austauschformate zu Fachdidaktik, Lehrmethoden, aktuellen Entwicklungen sowie neuen Technologien wie Künstlicher Intelligenz in der Lehre.
Gleichzeitig zeigt die Studie, dass der Austausch von Lehrmaterialien im Sinne von Open Educational Resources (OER) für viele Dozierende eine untergeordnete Rolle spielt. Lehrmaterialien sind häufig stark kontextspezifisch, rechtliche Fragen bleiben ungeklärt und der Aufwand für Aufbereitung und Pflege ist hoch. Der eigentliche Mehrwert der Vernetzung liegt daher vor allem im Austausch von Erfahrungen, Methoden und Best Practices.
Erfolgsfaktoren für nachhaltige Vernetzung
Die Analyse langjähriger MINT- und OER-Initiativen zeigt, dass erfolgreiche Netzwerke auf drei zentralen Faktoren beruhen:
- persönlicher Austausch,
- institutionelle Unterstützung,
- langfristige Koordination.
Reine Plattformlösungen oder einmalige Einzelmassnahmen entfalten dagegen meist nur begrenzte Wirkung. Entscheidend ist eine aktive Community mit regelmässigen Begegnungen und klar erkennbaren Mehrwerten für die Beteiligten.
Vier Empfehlungen für den Aufbau einer GIS-Bildungscommunity
Auf Grundlage der Untersuchung wurden vier zentrale Handlungsempfehlungen formuliert.
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Institutionelle Koordination stärken
Für eine nachhaltige Entwicklung braucht es eine koordinierende Instanz mit strategischen und operativen Aufgaben. Diese soll Aktivitäten bündeln, Akteure vernetzen und die langfristige Weiterentwicklung der Community begleiten.
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GIS-Edu-Landkarte aufbauen
Eine digitale GIS-Edu-Landkarte soll sichtbar machen, welche Institutionen, Bildungsangebote und Dozierenden in der Schweiz im Bereich Geoinformation aktiv sind. Die Plattform soll sowohl die Vernetzung innerhalb der Community fördern als auch die Sichtbarkeit der Geobildung nach aussen stärken.
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Veranstaltungsserie für GIS-Dozierende etablieren
Kern des vorgeschlagenen Vernetzungskonzepts ist eine schweizweite Veranstaltungsserie für GIS-Dozierende.
Geplant sind ein bis zwei niederschwellige, praxisorientierte Veranstaltungen pro Jahr an wechselnden Standorten in der Schweiz. Im Fokus stehen Themen wie:
- Fachdidaktik und Prüfungsformate,
- aktuelle fachliche Entwicklungen,
- Künstliche Intelligenz und neue Technologien,
- Best Practices aus Lehre und Praxis.
Das Format setzt bewusst auf Peer-Learning, Diskussion und kollegialen Erfahrungsaustausch statt auf klassische Konferenzstrukturen. Ergänzend wurde die Idee eines informellen «EduGeoBeer»-Formats eingebracht, das sich am etablierten «GeoBeer» orientiert und den persönlichen Austausch ausserhalb formeller Veranstaltungen fördern soll.
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Kommunikationskanäle aufbauen
Ein regelmässiger Newsletter sowie eine LinkedIn-Gruppe «GIS Education Switzerland» sollen den Austausch zwischen den Veranstaltungen fördern und die Sichtbarkeit der Community langfristig stärken.
Der Weg zur GIS-Bildungscommunity
Die vorgeschlagenen Massnahmen verfolgen mehrere Ziele über einen mehrstufigen Entwicklungsprozess:
- kurzfristig den Aufbau einer aktiven Community und die Verbesserung der Sichtbarkeit,
- mittelfristig die Identifikation gemeinsamer Themen und Herausforderungen,
- langfristig die Förderung hochschulübergreifender Kooperationen sowie die Entwicklung gemeinsamer didaktischer Standards.
Ziel ist der Aufbau einer sichtbaren und nachhaltigen GIS-Bildungscommunity, welche Hochschulen, Praxis und weitere Akteure der Geoinformation enger miteinander verbindet.
Die Rolle der SOGI
Die Studie empfiehlt der SOGI Gruppe Bildung, eine koordinierende Rolle beim Aufbau dieser Community zu übernehmen. Als etablierte Plattform mit Verbindungen zu Hochschulen, Verwaltung, Verbänden und Privatwirtschaft ist die SOGI gut positioniert, um den Austausch langfristig zu fördern und die Umsetzung der Strategie Geoinformation Schweiz aktiv zu unterstützen.
Zur operativen Umsetzung wird die Bildung eines kleinen Organisationskomitees (OK Bildung) vorgeschlagen. Dieses soll aus Personen mit strategischen Bildungsaufgaben innerhalb der SOGI sowie weiterer relevanter Verbände und Organisationen bestehen und möglichst alle Sprachregionen der Schweiz vertreten. Das OK koordiniert die Veranstaltungsserie und reflektiert die Entwicklung der GIS-Bildungscommunity, um deren langfristige Vernetzung aktiv zu fördern.
Schlussbericht
Der vollständige Schlussbericht zur Aktion SGS 6-24-1 (Version 1.0, Mai 2026) steht zum Download zur Verfügung.
